ESPI on site: Das Buttermännchen grüßt aus dem Jenseits

Harry Keller

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TYPO 2012: Maurice Göldner – die vergessene Schriftkultur der Brüder Butter

Man lasse sich den Titel dieses Vortrages auf der Zunge zergehen: „Die vergessene Schriftkultur der Brüder Butter“ … 3, 2, 1 – Kopfkino: Maurice Göldner mit funzeliger Taschenlampe in dunklen Kellergewölben unterwegs, den Staub der Jahrzehnte von verloren geglaubten Dokumenten pustend, mit zittrigen Fingern vergilbte Seiten umblätternd, wühlt sich durch Bibliotheken, sucht Zeitzeugen auf, die bei einer Tasse Blümchenkaffee in Erinnerungen graben …

Ganz so wie bei Galileo Mystery lief es vermutlich dann doch nicht ab, als sich Maurice Göldner, Schriftgestalter in Leipzig, in die Geschichte der Brüder Butter vertiefte. Bei einer Recherche für ein Buchprojekt stieß Göldner eher zufällig auf deren Schriftgießerei, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für Aufsehen sorgte.

Das Geschäft mit Schriften stellte sich vor der mikroelektronischen Revolution allerdings deutlich anders als heute dar: Schriftgießereien produzierten Bleilettern für den von Johannes Gutenberg pionierten Bleisatz und waren Großbetriebe, die tonnenweise Blei für nationalen wie internationalen Handel verarbeiteten. Die Brüder Butter fertigten diese Lettern sehr erfolgreich im Raum Dresden an. Während sie in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts erst über wenige Maschinen verfügten, lief ihr Geschäft ungeachtet des Ersten Weltkriegs immer besser; 1920 besaß man bereits 40 Komplettgießmaschinen zur Anfertigung von Bleibuchstaben. Interessant sind neben ihrer bekanntesten Schrift – der Super-Grotesk – vor allem die Schriftrastersysteme. Dabei handelt es sich um einen typographischen Baukasten, dessen Lettern statt vollständigen Buchstaben nur deren Elementarbausteine zeigen. Aus diesen lassen sich dann in Kombination mit zusätzlichen Ornamenten oder passenden Negativformen ganze Buchstaben, Formen oder Wortmarken zusammensetzen.

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Das Buttermännchen, Firmensymbol der Brüder Butter

Dass die Brüder Butter trotz florierenden Geschäftes in Vergessenheit gerieten, hatte dann allerdings mit ihrem Produktionsstandort Dresden zu tun. 1948 wurde der Betrieb enteignet und ging schließlich in die „VEB Typoart“ über – diese verfolgte eine Strategie politischer Abgrenzung und entledigte sich der kapitalistischen Altlasten. Was blieb, ist das große Fabrikgebäude mit eigenem Gleisanschluss, in dem einmal 55 Komplettgießmaschinen betrieben und Buchstaben in die ganze Welt verschickt wurden.

Maurice Göldner allerdings bewahrt die reiche Unternehmensgeschichte zum einen durch lebendige Vorträge wie diesen bei der Typo 2012, aber auch durch sein eigenes Schaffen – so hat er den „Buttergeist“ zur Grundlage seiner Arbeit gemacht und mindestens zwei Schriften auf Butterbasis entwickelt: Seine Stan fußt auf der klassischen Wellington und mit NePo (kurz für Negativ-Positiv) hat er sogar ein Schriftrastersystem neu aufgelegt. Die Stan kann bereits seit Anfang des Jahres bei OurType begutachtet und erworben werden, während NePo bisher noch nicht erhältlich ist.

Stan Probe

Nepo Bau

Weitere Informationen finden sich auf Göldners Webseite kurs26.de, sowie ourtype.com. Ihm selbst kann man auch auf Twitter folgen: @mau_gold.