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Feine, kluge Dinge und spitze BHs: 3 Fragen an Katja Grubitzsch

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Diplom in Bremen bei Professor Eckhard Jung, Zwischenstopp in San Francisco, Basisarbeit in Berliner Agenturen: Hier weiß eine, wovon sie spricht. Katja Grubitzsch gehört zum Management Team bei Edenspiekermann.

In den späten 90ern wurde sie von Susanna Dulkinys (heute Creative Director bei Edenspiekermann) als Designerin eingestellt bei Wired in San Francisco. Davon erzählt Katja, noch bevor unser eigentliches Interview beginnt: „Da feierte man noch jeden Software-Release mit einer fetten Party.“ Zum Beispiel FreeHand 1.0 (in Worten: Eins Punkt Null – !!!) entwickelt von Macromedia, „die saßen nebenan“, und „der Name Wired öffnete uns jede Tür.“ Dazu gleich die erste, semi-offizielle Frage ...

0. War das ein bisschen wie bei Mad Men?

Sie bricht in schallendes Gelächter aus: „Ja, ein bisschen!“ Unterdrücktes Prusten. „Aber wir haben nicht so viel geraucht.” Leiser: „und uns nicht so sexistisch verhalten.“ Flüsternd: „und nicht so spitze BHs getragen.“

Nach drei Jahren Party in San Franciso zieht sie nach Berlin: anfangs Stationen in der Werbung – „denen erst mal Corporate Design erklären“ – und bei MetaDesign, dann weiter mit Erik Spiekermann, Susanna Dulkinys und Kollegen: als UnitedDesigners, SpiekermannPartners, Edenspiekermann; Katja hat alle Firmierungen mitgemacht.

1. Katja, du machst Corporate Design nicht erst seit gestern. Deshalb für dich die schwerste aller Fragen: Was ist gutes Design?

„Oh Gott.“ Schlagartig wird sie ernst.

Nach einer Weile, sehr leise und langsam: „Nicht-tropfende Wasserkannen, zum Beispiel. Nicht wie wir sie hier im Büro haben.“ Hält wieder inne.

Spricht noch zarter, leiser, dabei noch dezidierter weiter: „Manchmal sind die leisen Dinge gutes Design. Es ist nicht immer das, was ausgesprochen laut daherkommt. Oft sind es feine, kluge, gut funktionierende Dinge.“ Und dann: „Wenn ich gutes Design sehe, macht mich das glücklich. Das ist wirklich so.“ Sie verspricht mir, mich in das neue Museum in der Auguststraße mitzunehmen – da könne man gut sehen, „dass man manchmal zweimal hinschauen muss, um zu erkennen: Das ist gutes Design. Es muss nicht immer pompös daherkommen.“

2. Katja, welche Rolle spielt gute Kommunikation für gute Kommunikation?

„Das ist eine sehr interessante Frage.“ Denkt lange nach: „eine große Rolle, natürlich. Denn wie wir alle merken, ist es oft schon alleine bei uns im Büro, und auch mit den Auftraggebern, so“ – sie balanciert mit beiden Händen aufeinander zu – „dass ganz unterschiedliche Ebenen zusammenkommen. Die Kunst besteht ja nun darin, das alles auszuloten. Dazu gehört oft ein Geschick, das mehr psychologischer als gestalterischer Natur ist.“ Sie zielt mit den Fingerspitzen aufeinander zu – und trifft: „Natürlich wäre es wünschenswert, in einer idealen Welt, dass das immer direkt funktioniert! Wir arbeiten daran. Mit den Auftraggebern dauert es eine Weile, bis man merkt, wie tickt der eigentlich.“

3. Gibt es denn so etwas wie Lieblingsprojekte oder Lieblingsauftraggeber?

„Ich kann gar nicht sagen, dass ich ein Lieblingsprojekt habe. Wenn ich so an unsere Projekte denke, gibt es immer so Teilaspekte, die ich als extrem gut in Erinnerung behalte. Also mehr so im Nachhinein kann ich das sagen. Zum Beispiel bei XY“ (Name von der Redaktion geändert): „Der Projektleiter, also der Marketingleiter auf Auftraggeberseite, war extrem kompetent nach innen, gegenüber seinen Leuten; er wusste sehr genau, was seine Leute brauchen“ – Nachfrage: „seine Leute?“ – „ja, was seine Leute brauchen. Deswegen konnte er uns präzise briefen. Und wir konnten auf den Punkt arbeiten. Und jede Präsentation vorab mit ihm durchsprechen, politische Fallen umgehen, Fehler vermeiden.

Deswegen gibt es nicht unbedingt ein ,Lieblingsprojekt’ – aber immer Teilaspekte, die super sind. Ich finde außerdem, zumindest ist das mein Anspruch, aus jedem Projekt ein Lieblingsprojekt zu machen. In jedem Projekt kann was Interessantes drinstecken, was zu lernen für einen, oder was Neues auszuprobieren.“

Nächste Denkpause – allerdings nicht lang genug, um eine neue Frage einzuläuten ...

„Bei einem anderen Projekt fand ich so bemerkenswert – also das war auch stressig, da war so viel Druck drauf, aber: Die waren selber so leidenschaftlich! Mit ihren Produkten. Vor denen haben wir auch präsentiert, direkt vor den Entscheidern. Und die waren extrem entscheidungsfreudig, und die waren extrem schnell, und die waren extrem leidenschaftlich. Das hat Spaß gemacht einfach. Und es ist was Schönes dabei rausgekommen.“ Lächelt: „Außerdem durfte ich mit Markus zusammenarbeiten“ (Anmerkung der Redaktion: Markus Kirsch, Design Director, Edenspiekermann).

Wenn Katja Grubitzsch nicht Designerin geworden wäre, dann vielleicht Fotografin. Auch mit Malerei hat sie „geliebäugelt“, doch „das Angewandte, was wir hier machen, finde ich viel angenehmer.“ Sie resümiert: „Wir machen immer wieder so tolle Sachen, wenn man das mal von oben betrachtet. Eigentlich will ich nix anderes machen, muss ich sagen.“

Dann ist ja gut.

Zumal Frau Grubitzsch auch noch Expertin für Lip Gloss und Nagellackfarben ist. Fragen zur typgerechten Farbwahl, Detailwissen zu Corporate Design, konzeptionelle Hilfestellung bei kniffeligen Gestaltungsaufgaben? Sie ist ansprechbar und neugierig auf alles. Für Einladungen zu exklusiven Partys wird um Voranmeldung gebeten.

Lieben Dank, Katja!

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Foto: privat