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Ein völlig neues Vokabular: 3 Fragen an Uta Hentschke

Ein völlig neues Vokabular: 3 Fragen an Uta Hentschke

Endlich finde ich Uta, fange sie in der Küche ab. Sie erzählt, wie sie bei ihrem ersten Web-Projekt ins kalte Wasser springt – und sich pudelwohl fühlt: „Man nennt mich ja schon das Nusswölfchen“ (Anm. d. Red.: Die „Clouds“ bei Edenspiekermann geben sich Namen, hier die Kollegen formerly known as „web team“.)

Fortsetzung am Fensterplatz in der Joseph-Roth-Diele, Postdamer Straße. Uta legt los, bevor überhaupt die erste Frage gefallen ist: „Also das war schon toll, so in die Web-Themen einzusteigen. Mein Vokabular – ich musste echt daran arbeiten! Liquid bzw. Responsive Design, Call-to-action usw., was bedeutet das konkret im Web-Design? Weißt du was ich meine? Aber das Team war echt super: Ferdinand, Julian und Paul waren immer an meiner Seite, haben mir jede Frage sofort beantwortet. Oder sie sagten“ – sie kichert: „,nein Uta, das funktioniert so nicht, du musst vertikal denken‘. Marie nannte mich dann irgendwann ,Junior Interaction Designer‘...“

0. Uta, wollen wir mal schnell bestellen?

„Ja, Schnitzel! Ich nehm Schnitzel.“ (Ich auch.) „Das Schnitzel hier ist echt super. Also ich kam aus dem Urlaub zurück und sollte am Relaunch der Wirecard-Website mitarbeiten. Wir hatten da diesen ,War Room‘ – den Wirecard Projektraum, in den ich liebevoll aufgenommen wurde. Quasi als Testobjekt. Ich wurde sogar schon mal zum Frühstück der Nusswölfe eingeladen, im Turm, da treffen sie sich gelegentlich. Wirklich total nett.“

1. Wie habt ihr angefangen am Projekt zu arbeiten?

„Eigentlich war das sehr ähnlich wie bei einem Print-Projekt. Zuerst haben wir zusammen das Konzept ausgearbeitet: User Flows definiert, die Sitemap, also Aufbau und Struktur der Seiten abgestimmt usw. Alles funktioniert übergreifend – und wir arbeiten ja letztlich bei fast allen Projekten interdisziplinär. Es gibt inzwischen fast immer einen Web-Anteil, und umgekehrt, nur denkt man dort völlig anders, in anderen Möglichkeiten. Manches geht eben nur im Print, manches nur im Web... Robert, der ,Portalmeister‘ meinte, Printdesigner arbeiten mehr mit Rastern und fest definierten Elementen – ich sollte mich davon lösen und freier denken. Also gut, also los.“

(Schnitzel kommt.)

„Meine allerersten Entwürfe für den Website-Relaunch sorgten nicht eben für Begeisterungsstürme, wohl aber für Anmerkungen wie ,nicht schlecht, ich bin überrascht‘. Jetzt schaue ich mir Webseiten natürlich auch aus einer ganz anderen Sichtweise heraus an.“

(Schnitzel wird nicht beachtet.)

„Und außerdem diese anderen Methoden, also nicht nur das Vokabular, das ist unglaublich interessant! Ich überlege, wie man das in die Printprojekte integrieren kann, ich hab ja dein letztes Interview gelesen, mit Johannes, der sich als Account Director jetzt auch zum Scrum Master ausbilden lässt, das finde ich wirklich gut. Bei mir war es eben die Aufnahme in ein Projektteam. Das wird ja für jedes Projekt neu zusamengestellt, und bleibt nicht in den festen Clouds verankert. Aber hey, lass uns erst mal essen.“

2. Uta, sind „die Webbies“ eine Welt für sich?

„Ich finde, das mixt sich schon langsam. Da die Leute sich weiterbilden, wie eben Johannes jetzt zum Scrum Master. Wichtig ist, dass man überlegt, wenn ein Projekt reinkommt, wie man die Leute zusammenstellt. Richtig feste Teams gibt es ja eh nicht mehr. Und da es meist einen Web-Anteil bei den Projekten gibt, sollte man die Teams gleich von Anfang an interdisziplinär aufstellen. So kann man voneinander lernen – das finde ich total wichtig.“

Sie kichert: „Marie hat mir dann gleich mal ein dickes Dokument hingelegt, ,Do better Scrum‘. Und Robert meinte: ,Wir arbeiten übrigens in Keynote‘ – also neue Software lernen. Was ich toll finde, ist, dass wir in sogenannten ,Sprints‘ arbeiten: Die einzelnen ,Tasks‘ werden jeden Morgen besprochen, ganz kurz, zeitlich begrenzt. Für die Einhaltung sorgt der Scrum Master. Dadurch ist alles sehr effektiv, das Team kann sehr produktiv und schnell arbeiten, also sehr... zielstrebig. Und je nach Bedarf können neue Aufgaben einfach mit aufgenommen werden. Es ist alles sehr ... übersichtlich, überschaubar, du weißt, was ich meine, oder? Auch die Arbeitsmethoden sind für mich neu – ,agile process‘, ,waterfall process‘, um nur einige zu nennen. Es ist echt ein komplett neues Vokabular.

(Eine echte Herausforderung, gleichzeitig nicken, essen und im Affenzahn mitschreiben.)

(Das Schnitzel ist wirklich super.)

„Ich finde es wirklich super, dass es sich bei uns so mischt. Es ist irgendwie für alle Projekt toll. Auch unsere Projekträume empfinde ich als eine echte Bereicherung – kurze Wege, schneller Austausch... In unserem Wirecard Projektraum konnten wir uns quasi richtig austoben, Wände aufstellen, Sachen hängen lassen usw.“

3. Hattest du das Gefühl, du bist Teil eines Experiments?

„Ja, schon!“ (Wildes Kichern.) „Aber inzwischen ist es Alltag geworden. Und die letzten Monate sind schnell vergangen. Es macht wirklich Spaß. Du musst nur aufgeschlossen sein, für diese neue Denke, für neue Software, für neue Abstimmungsmethoden... es lohnt sich. Deshalb überlege ich, wie gesagt, wie man das auf andere Projekte übertragen kann. Du weißt, was ich meine.“

Ja, denn Uta und ich sind zeitgleich bei Edenspiekermann eingestiegen: September 2008, wie sie sich erinnert – „mit Katja, Okan, Katrin, das Markenbuch für die Messe Frankfurt“, einem klassischen Printprojekt, „und später dann mehr Messe. Und mehr online. Und man hat damals sofort gemerkt, alle haben hier den gleichen Qualitätsanspruch, diese Denke. Man wurde gleich richtig nett aufgenommen, gefragt wo man herkommt, was man gemacht hat...“

Ich weiß nicht wie, aber die Riesenschnitzel sind weg. Die Zeit ist gerast. Den Nachtisch nehmen wir mit ins Büro, schnell noch Kaffee in der Küche, aber Uta winkt und rennt weg – „also tschüss, bis nächstes Mal!“

Falls ich sie wieder irgendwo abfangen kann.

Lieben Dank, Uta

Uta klein 2

Foto: Marie Merle