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So eine Art Pilot: 3 Fragen an Thomas Walsch

So eine Art Pilot: 3 Fragen an Thomas Walsch

Thomas kann so ziemlich alles, und davon viel. Zum Beispiel rund 800 großformatige Weihnachtskarten – meterhohe Stapel sperrigen Kartons – nicht nur produzieren, sondern von diversen ESPIs (!) in diversen Konstellationen (!!) rechtzeitig (!!!) unterschreiben lassen, konfektionieren, eintüten, frankieren, abschicken. Drei Fragen an unseren nervenstarken Production Coordinator.

1. Lieber Thomas, Kollegin Grubitzsch hat im letzten ESPI-Interview etwas überzogen; du musst das jetzt einfangen: eine Situation, die dir bekannt vorkommt?

Null Reaktion.

Verschränkte Arme.

Atmet er?

Einundzwandzig, zweiundzwanzig ...

Stirnrunzeln plus prüfender Blick von der Seite:

„War das jetzt schon ’ne konkrete Frage?“

„Ja.“

„Ach sooo!“ Lacht, hustet, setzt sich auf, schlägt die Hände zusammen. „Ach so, jetzt versteh ich. Liegt natürlich in der Situation: Wenn die Schöngeister eben lange brauchen um sich zu entscheiden ... und wenn sie das dann noch in der Realität sehen wollen, muss man halt das Mögliche, manchmal auch das Unmögliche möglich machen.“

2. Zweite Frage. Wir beide begegnen uns auf einer Party ...

„... und ich soll sagen was ich so mache oder wie jetzt?“

„Ja.“

„Das kann man nicht so kurz beantworten. Das wäre so ein Thomas-Mann-Format. So allgemein oder bei ESPI? Umfasst so ziemlich alles, was ein Designer nicht macht. Ich kümmer mich um die Kalibrierung der Drucker, Bildbearbeitung, Word-Templates, Materialauswahl, Grammaturen, Druckanfragen – vielleicht kann man ja so eine Stakkato-Abfolge machen, tschack, tschack tschack, immer was reinkommt, viel. Deswegen finde ich diese Frage grad, mmmh, gar nicht leicht zu beantworten. Jedenfalls, eher selten geht es um Preisschlachten.“

„Nein?“

„Ich hab nicht viele Dienstleister, aber ich denke ich hab ’ne gute Auswahl. Ich weiß, wen ich zu welchem Zeitpunkt kontaktieren kann. Oder eben nicht. Ich finde immer ganz toll mit Dienstleistern zusammenzuarbeiten, die mit draufschauen, die was bemerken und mich drauf hinweisen, dann ist das ja für alle – das führt zu einem guten Ende.“

3. Zurück zum Anfang: Wie bist du überhaupt Produktioner geworden?

„Durch einen dummen Zufall eigentlich.“

„Ja?“

„Ich hab mich mal für Medientechnik beworben. Man musste ein Rückkuvert mit reinstecken, das hab ich Donnerstag in die Post gesteckt, und Montag lag es wieder auf meinem Schreibtisch: leer, ohne Antwort. Hab ich da angerufen, was geht denn hier ab, sagen die, dann lassen Sie uns doch gleich mal Ihre Bewerbung durchgehen, wie ist denn Ihr NC, na ja, dann machen Sie doch Verlagsherstellung. Das war eh mein zweiter Wunsch. Dann hab ich angefangen zu studieren, und dann hat sich rausgestellt, dass es genau mein Ding ist. Dann hab ich ein halbes Jahr beim Fischer Verlag halb Produktion, halb Marketing gemacht, da hab ich relativ früh mitbekommen wie das so läuft, das war spannend. Dann war ich ein halbes Jahr in Barcelona bei einem Verlag, dann hat mich Katrin Wenke angeschrieben (heute Account Director/Management Team bei Edenspiekermann); sie hatte das gleiche studiert und war schon hier. Dann haben wir uns mal getroffen – und jetzt bin ich hier schon vier, fünf Jahre.“

Und was machst du, wenn du nicht hier bist? (Achtung, die erste Freizeitfrage im ESPI-Interview.)

Das unterteilt Thomas in „vor Kind und nach Kind. Bevor Sascha auf die Welt kam habe ich aufgelegt, Wasserspringen gemacht, mich mit alten Fahrrädern auseinandergesetzt: repariert, gebastelt, gesammelt, gebaut.“ Mit Fahrrädern beschäftigt er sich noch immer, „und sonst ist eigentlich nicht mehr viel Zeit. Für die Familie halt!“ Bootfahren ist sein neues Hobby: „draußen sein, zelten, Lagerfeuer, das schon immer; das Boot ist neu. Jetzt Lagerfeuer und Zelt und Boot. Faltboot.“ Bestimmte Falttechnik?! Er prustet los: „Da sag ich jetzt mal nichts dazu. Wahrscheinlich ’ne Kombination aus allem: Zickzack-, Altar-, Fenster-, Kreuzbruch-, und Wickelfalz ist auch dabei. Muss ja dann wieder in den Sack passen.“

Und wenn er nicht Produktioner geworden wäre? (Letzter Versuch.)

„Hat sich bei mir so nie gestellt, die Frage. Da gab es nie groß Links-Rechts-Alternativen. Früher wollte ich mal Pilot werden; letztlich ist Produktioner so was ähnliches. Man muss immer den Zielflughafen erreichen.“

Lieben Dank, Thomas!

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Foto: Sebastian Dörken, im Hintergrund Toshiya Izumo