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Der totale Romantiker: 3 Fragen an Ivo Gabrowitsch

Der totale Romantiker:  3 Fragen an Ivo Gabrowitsch

Das 3-Fragen-Interview, neueste Ausgabe, ausnahmsweise mit einem Externen. Allerdings fühlt der sich ganz intern an: weil er seit Monaten als Auftraggeber Dauergast bei uns ist. Unser Team ist sein Team und er hat seine Leute mitgebracht. Nun kennt Ivo Gabrowitsch, Marketing Director bei FontShop International, beide Seiten. Das fetzt!

Am Tag des ersten Launches der neuen FontShop-Website, die wir gemeinsam entwickelt haben, springt mich die Idee an. Gesagt getan. Statt auf meine vorsichtige E-Mail-Anfrage nach einem Terminchen zu antworten, steht Ivo vor meinem Schreibtisch: „Also wenn, dann jetzt!“ – und die nächsten zwei Tage habe er sonst keine Zeit und dann fliegt er nach San Francisco und überhaupt, „eine ganze halbe Stunde?!“ Ich hab bohrenden Hunger, ich will essen gehen mit Harry, will den nicht versetzen, also schleppen wir Ivo mit und gehen kurzerhand alle zusammen. Noch nie war ich so dermaßen nicht vorbereitet auf ein Interview, egal, die beiden auch nicht.

Auf dem Weg durch unseren weitläufigen Hinterhof in der Potsdamer geht es um seinen Flug am Freitag, Lufthansa-Streik, Ivo will nach San Francisco, hat schon umgebucht, hat irre viel zu tun, freut sich auf die Reise, aber: „Das sind anderthalb Wochen ohne die Kinder.“ Damit platzt er heraus, als wir im Apfelkern sitzen (Name des Restaurants von der Redaktion geändert, ist sowieso schon immer so voll). Und oh, wie er jetzt kuckt …

1. Warum musst du denn nach San Francisco?

„Die Kollegen da treffen. Und dann ist nächste Woche ja auch die TYPO San Francisco, da mache ich Foundry Relationship Management, ,FRM‘, sozusagen.“ Ivo scherzt, wirkt aber nicht überbordend glücklich. „Ja klar ist das alles nett! Sehr nett sogar, San Francisco sowieso, immer. Aber ich hab jetzt schon Sehnsucht … Ja, ist peinlich. Willst du das etwa alles schreiben? Ist aber so. Anderthalb Wochen ohne die Kinder ist wahnsinnig lang.“ Nee, ist nicht peinlich.

Heute könnte ein glücklicher Tag sein. Die neue Website für FontShop ist seit zwei Stunden gelauncht! Alles ist schön! Twitter-Resonanz wunderbar! Sagt auch Harry, der nebenbei alles auf dem iPhone verfolgt. Ivo dagegen in lakonischer Knappheit: „Heute ist ein komischer Tag.“ Der Mann ist sichtlich angespannt: „Launch-Tag.“ Kein bisschen erleichtert? „Doch. Aber es geht ja weiter. Und dann ist heute auch noch Release-Tag: Wir veröffentlichen neue Schriften auf FontFont, und die neue Marketing-Kollegin ist damit jetzt allein.“ Und eigentlich läuft alles ganz, ganz wunderbar! Nur um das noch mal festzuhalten.

Findet auch Harry. Harry Keller ist Webdeveloper und spricht aus Erfahrung: „Du siehst wahrscheinlich die Sachen, die noch nicht so da sind.“ Ivo fühlt sich verstanden: „Ja genau, die vielen Features, die wir noch hinzufügen werden, wir sind allenfalls halb fertig – vor allem zwei Dinge, die wir schon wissen“, wendet er sich Harry zu: „Die Homepage können wir noch besser machen, wollten aber jetzt keinen weiteren Sprint dafür opfern, und die Navigation ist bewusst mutig, anders, mal sehen wie das ankommt.“ Er stockt, wendet sich wieder zu mir: „Das wird aber hoffentlich kein Depri-Beitrag. Ich bin absolut guter Dinge.“ Gut. Andere Frage:

2. Ivo, wie war’s bei uns?

„Bei euch ist es immer super.“

(Harry nickt und starrt auf sein iPhone.)

„Ich kenne das ja schon von FontFont.com, deshalb haben wir uns ja auch wieder für euch entschieden.“

(Harry macht eine Schnute, „m-mh“, bestätigend.)

„Weil ihr halt im Großen und Ganzen wisst, wie wir ticken und denken.“

(Harry laut vernehmlich: „Ja.“)

„Und das mit dem agilen Prozess, schon damals, das war ja auch für mich völlig neu. Aber auch ohne diese Methode konkret zu kennen, hätte ich es ziemlich genauso gemacht.“

(Harry tippt.)

„Damals wusste ich ja noch kaum etwas darüber, wie lange ist das jetzt her, drei Jahre? Und es hat wunderbar funktioniert. 4. April 2011. Wir wollten am 1. April launchen. Fanden wir damals cool, aber das war ein Freitag. Das wollte ich jetzt wieder, 1. April, aber mein komplettes Team war dagegen. Aber lustig: genau drei Jahre nach dem alten Projekt.“ Ivo taut auf. „Der Prozess hat mich halt überzeugt, damals schon. Und wenn Erik immer reingezogen werden kann, der dann mit draufschaut. Für mich ist er so eine Art Satellit, der überall rumschwirrt und den man anpiepsen kann, wenn man seine Meinung braucht.“ Zurück im Hier und Jetzt: „Das ist wohl mit das größte Projekt, das FontShop je gemacht hat. Auch das Budget, puh …“

Harry: „Sind wir denn so viel teurer als andere Agenturen? Wir sind doch viel schneller und effizienter.“

(Sonja: „stimmt“.)

Die daran anschließende hitzige Kurzdebatte sei unseren Lesern erspart, nur soviel, es ging um die Faktoren Qualität, Geld, Zeit (auch die Zeit und damit die Kosten, die dem Auftraggeber – im Projektverlauf und weit danach – erspart bleiben bei entsprechend exzellenter Agenturleistung). Nächste Frage.

3. Sind denn die gleichen Leute von damals dabei, oder was ist jetzt anders?

„Komplett neues Team, bis auf Jörg, genialer Entwickler von unserer Seite, und von euch Robert – nicht so im täglichen Prozess, aber er hat immer wieder vorbeigeschaut. Acht oder dann eben neun Leute sind wir im Team, halbe-halbe von euch und von uns, elf Sprints à zwei Wochen.“

Unser Essen ist da.

„Ja, eines der größten Projekte jemals, das steht einfach mal fest. Sage ich jetzt so, kraft meiner Kichererbsensuppe“.

Guten Appetit.

Zu Harry: „Aber mittlerweile halte ich das für alternativlos, so zu arbeiten: diesen ,kleinen‘ Launch, sozusagen, und dann die nächsten Schritte.“

Lecker, die Suppe.

„Ich weiß, so ist das mit guten Leuten, da muss man einfach mal vertrauen.“

Harry: „Dankeschön.“

„Und man kann es auch. Katharina hält mir wirklich den Rücken frei. Ich bin nicht mehr so involviert wie damals, und ich muss es auch nicht. Bei FontFont.com habe ich mir jeden Button zu Gemüte geführt.“

Weiteressen.

„Es ist jetzt anders – ich muss ja zwangsläufig auch für FontFont Marketing loslassen – und es ist gut zu sehen, dass es funktioniert. Man muss halt das Ganze im Blick behalten. Diverse Abhängigkeiten siehst halt nur du. Dank der Erfahrungen mit FontFont kann ich das jetzt überhaupt nur so machen. Die Seite war ja ein voller Erfolg.“

Harry: „Ja.“

„Insofern ist es schon ein gutes Gefühl, nicht alles selbst können zu müssen. Nebenbei baue ich ja auch.“

Harry: „Und die Kinder.“

Ivo: „Ohne die Kinder, das klingt jetzt vielleicht komisch, könnte ich das nicht machen. Ich bringe sie morgens in den Kindergarten und sehe sie noch mal wenn ich nach Hause komme, bevor sie ins Bett müssen. Mit Kindern lernst du Logistik. Um acht gehen sie ins Bett, spätestens. Dann 20 bis 22 Uhr Haus, dann bis Mitternacht noch das Wichtigste von der Arbeit. Ich hoffe, dass jetzt mit dem Launch der Druck wegkommt, dann im Mai wollen wir umziehen, dann ab Juni … Aber wie gesagt: Seit ich Kinder habe, bin ich viel effektiver.“

Superschönes Schlusswort.

Von wegen. Ivo lässt sich auch vom Käsekuchen nicht ablenken und kommt wieder auf die Effizienz unserer Zusammenarbeit und der neuen FontShop-Seite zu sprechen.

Harry: „Die Kommentare sind total gut.“

Ivo: „Ja klar, das fetzt.“

Grandioses Schlusswort.

„Aber ich konzentriere mich nicht zu sehr auf das Positive. Ich kuck vor allem auf das Negative. Ich weiß ja, dass die Seite geil ist.“

Noch besser.

„Was natürlich wirklich zählt, ist, ob wir mit der Seite schlussendlich Profit machen. Das klingt jetzt total unromantisch, ich weiß. Ich bin ja eigentlich der totale Romantiker, was das ganze Thema betrifft, das Business und die Branche.“

Jetzt isses raus.

„Aber nützt ja nüscht. Geht ja schon drum was unter dem Strich steht.“ Zu Harry: „Persönlich bin ich im Ganzen davon ab, perfekt zu sein. In einem Jahr ist ja wieder alles komplett anders. Ich weiß, wir sind dann flexibel genug, das zu ändern.“

Harry nickt. Mit Schnute.

Als wir durch den sonnigen Hinterhof zurück zum ESPI-Büro gehen, macht sich so etwas wie Entspannung breit.

„Aber was ich echt noch sagen muss“, sagt Ivo, „und zwar zu der Konstellation: Es ist ja wirklich so, dass wir voneinander lernen. Und zwar in beide Richtungen. Das Team ist ja wirklich auch noch genau halbe-halbe, ihr und wir. Wir machen das zusammen, es geht so viel schneller, und wir lernen alle.“ O-Ton, diesmal nicht von Edenspiekermann. Endlich sagt es mal einer von den „Externen“. Was für ein wunderbarer – Auftraggeber? Auftraggeber, ja, der ein Wahnsinnsprojekt mit uns möglich macht. Klingt ganz wie einer von uns.

Lieben Dank, Ivo!

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